Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr
Von Weinbergen geprägte Albiger Landschaft

600 Jahre, Werner von Albig

Wappen Wernherr von Albig   

 

Wernher von Albig

Burggraf von Alzey
+ 23. Mai 1440
(Gregorianischer Kalender)
   
Wie die Alser (Alzeyer) ihren Volker von Alzey haben, haben die Albiger Wernher von Albig und das, wie sich das für gute Christenmenschen gehört, gleich 3-fach.

Der 1. Wernher von Albig  der in den Urkunden auftaucht, war Burgmann und Schultheiß zu Oppenheim. Er starb um das Jahr 1302.

Für seine hinterbliebene Witwe Elisabeth erstritt der Sohn Gerhard (Burgmann auf der Stolzenfels), am 04. März 1309 eine Witwenrente von 2 Fuder Wein, etwa 2000 Liter.

3 Generationen später war ein Urenkel, Wernher von Albig ich nenne ihn den II., Burggraf von Stromberg und das 34 Jahre lang, von 1376 bis 1410.

Nicht nur, dass dieser Herr über Lonsheim seit dem 03. September 1398  war, sondern erhielt er darüber  hinaus, gemeinsam mit seinen beiden Schwager, von König Ruprecht I. am 28. Juni 1407 die Feste Kirkel im heutigen Saarland, mit dem Amt, dem Tal darunter, den Dörfern, die dazu gehörten, mit den Leuten, Vogteien, Gerichten, Gewalten, Feldern, Böden, Steuern, Herbergen, Satzungen, Weihern, Wäldern, Wassern, Weiden und allen anderen Rechten.

Wernher von Albig der II.  war nachweislich verheiratet und hatte Söhne. Ein Sohn davon dürfte, Wernher von Albig gewesen sein, den ich den III. nenne. Er wurde, wie sein Vater zum Burggrafen ernannt und erhielt die Burggrafschaft Alzey.

Das geschah vor 600 Jahren.

600 Jahre ist eine lange Zeit.

Wir gehen zurück in das Jahr 1411. Albig bestand aus einer Kirche, mit altem romanischen Turm und neuem eingewölbtem Haupthaus auf der Anhöhe.

In Richtung der heutigen Wassergasse floss damals noch offen der Engbach und wenige Häuser gruppierten sich beidseitig des Baches.  Es gab keinen Bahnhof und keine Autobahn. Das Land war durch den „Schwarzen Tod“, wie man die Pest damals nannte, entvölkert. Es war der Beginn der „kleinen Eiszeit“, die vom 15. bis zum 19. Jahrhundert andauerte und Hungersnöte mit sich brachte. Aufstände führten dazu, dass das Rittertum, zurückgedrängt und das Bürgertum gestärkt wurde.

Das Mittelalter neigte sich dem Ende zu.

In Lothringen kam Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans zur Welt, die heute bei den Katholiken und den Angelikanern als Heilige verehrt wird.

Johannes Gutenberg wuchs in Mainz, bzw. Eltville auf. 

Jan Hus musste Prag verlassen, nachdem er von Papst Johannes XXIII. gebannt worden war, einem Papst, der Karriere als Pirat, gemacht hatte, der der Wolllust frönte und eine Schande für die katholische Kirche war.

Über 500 Jahre nahm kein Papst mehr den beliebten Namen Johannes an, bis am 28. Oktober 1958, Kardinal Angelo Giuseppe Roncalli , als gewählter neuer Papst bewusst diesen Namen wählte, um den unwürdigen Vorgänger auszuradieren. Die Menschen liebten den aus einfachsten Verhältnissen stammenden neuen Papst. Leider hatte Johannes XXIII. nur 5 Jahre, um als erster Papst seit der Reformation ein Bewusstsein für Fragen der Ökumene zu entwickeln und die Vergangenheit zu korrigieren.

Aber zurück zu unserem Wernher von Albig, dem Sohn, im Jahr 1411.

Geboren war Wernher um das Jahr 1370 und  war jetzt im besten Mannesalter.

Gewiss ist, dass er 1440 starb und in der hiesigen Kirche seine letzte Ruhestätte fand.

Unser Altbürgermeister Georg Herr berichtete, wie er als junger Bub in den 30er Jahren erleben durfte, dass bei Renovierungsarbeiten in der Kirche das Grab des Wernher von Albig im Altarbereich gefunden wurde.

Die noch gut erhaltene Grabplatte wollte man nicht entsogen und ließ sie in die Nordwand der Kirche ein und da hängt sie noch heute.

Die Inschrift lautet  

† anno • d(omi)ni • M • CCCC • XL • die / quartadecima • mensis • Maii • obiit • wernherus • / de • albich • armiger • / qu(on)da(m) • burgg(ra)vi(us) • alzeie • cui(us) • a(n)i(m)a • requescat • i(n) • pace • ame(n) •

Mein Versuch die Inschrift zu übersetzen,  scheiterte an Lesefehlern und den vielen Abkürzungen, die der Steinmetz damals vornahm. So wandte  ich mich per E-Mail an die Internetplattform RegioNet in Mainz.

Frau Natalie Rau antwortete auf meine Anfrage und ließ die Inschrift von geschulten Mitarbeitern übersetzen. Sie lautet:

Im Jahr des Herrn 1440 am 14.Tag des Monats Mai starb Wernher von Albig, Edelknecht, einst Burggraf von Alzey.
Dessen Seele ruhe in Frieden Amen.

Was geschah aber vor 600 Jahren im Jahr 1411?

Trotz Zollkrieg zwischen Frankfurt und Straßburg wurden 2.100.000 Liter Elsässer Wein auf der Frankfurter Messe auf 120 Straßburger Schiffen verkauft.

In Straßburg wurde eine Organisation der Bettler gegründet, die der Organisation der Zünfte ähnelte. Es war keine Schande zu betteln.

In Mainz bestanden die Patrizierfamilien auf ihre Steuer- und Zollfreiheit und um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, verließen 117 Patrizierfamilien kurzfristig die Stadt, darunter auch die Familie Gensfleisch, genannt Gutenberg und zog nach Eltville.

Unser  Wernher von Albig aber, hatte die Karriereleiter erklommen und den Zenit seines Lebens erreicht, er wurde am 28. Oktober 1411 zum Burggrafen von Alzey ernannt und 18 Jahre später, am 18. März 1429 abberufen bzw. aufs Altenteil geschickt.

Verdienste um die Stadt Alzey  hatte er sich wohl bereits im Jahr 1395 in seiner Zeit als 1. Stadtschreiber von Alzey erworben. Er wohnte in Alzey in einem festen Haus. Mit seiner Ernennung zum Burggrafen von Alzey , hatte er den höchsten Beamtenstatus inne. Er unterstand direkt dem Landesherrn in Heidelberg, Ludwig III. Kurfürst von der Pfalz, leitete militärische Aufgaben, saß zu Gericht und war Projektleiter für bauliche Maßnahmen.

So überließ ihm 1421 der Kurfürst den Ort Imsweiler bei Rockenhausen mit der Auflage 400 Gulden in die Wasserburg zu investieren. Den Verwendungsnach-weis über die verausgabten Gelder lieferte er erst in seinem Ruhestand 10 Jahre später.  

Eine interessante Parallele zum Leben und Tod des Wernher von Albig dem III., stellt die Glocke Osanna dar.

Gegossen wurde sie in Oppenheim 1380 , wo die väterlichen Wurzeln unseres Wernher lagen.  Fast so lange wie  Wernher III. lebte und so lang er nun schon tot ist , tut sie in der Liebfrauenkirche zu Albig ihren Dienst und läutet noch heute.

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